Frage von Simone Steeg per Email 03.02.2020:

Es dreht sich um die Unruhe der Kinder. Ich hab nun so einiges versucht.

Ich habe meine Gefühle geäußert und sie gefragt, wie sie mich unterstützen können, ich war auch mal laut und sauer, wir haben über Respekt geredet…. und so weiter.

Natürlich sind sie dann ganz verständnisvoll und wissen, was sie tun könnten und verstehen mich auch. Alle sagen auch, es mache ihnen Spaß und sie sind gerne da.

Aaaber nach wenigen Minuten sind sie wieder unruhig und agieren miteinander.

Sie mögen sich, finden sich interessant und wollen am liebsten einfach nur miteinander spielen. Es sind 10 Kinder im Alter von 8-10 Jahren.

Es fällt ihnen unglaublich schwer, ruhig zu sein und auch bei den Phantasiereisen z.B. gelingt es ganz vielen nicht, sich zu entspannen. Können nicht ruhig liegen bleiben, nicht die Augen schließen…

Das ist sehr anstrengend für mich und gibt mir das Gefühl, gar nicht das machen und transportieren zu können, was mir eigentlich am Herzen liegt.

 

Antwortenbuffet Tina:

 

Liebe Simone,

herzlichen Dank für deine Frage. Und für den Mut ganz ehrlich zu erzählen, wie es läuft. Ich werde als Antwort darauf brainstormen. Sieh es als Buffet – nimm was du magst – und ich hoffe, dass auch die anderen Trainer*innen sich einbringen werden.

Wichtig ist es, Lösungen zu kreieren, die für uns funktionieren. Nicht für irgendwen.

Deshalb nutze meine Anregungen nur, wenn es sich für dich wirklich richtig anfühlt.

Und an alle Anderen, teilt eure Gedanken. Ideen.

Du bist Vorbild im Umgang mit Konflikten

Wie gehen wir damit um, und nicht wie vermeiden wir sie, ist die richtige Strategie!

Das als Gedanke vorab.

Du hast ja schon einiges ausprobiert. Vielleicht ist das eine Gruppe, die andere Inhalte braucht. Ich könnte mir vorstellen, dass die Kinder es gut finden, wenn sie selbstbestimmter in deiner AG sein könnten. Überlege vielleicht mal mit Ihnen, ob sie sich vorstellen könnten, die Verantwortung für die Ruhe in der AG zu übernehmen. Dazu gibt es eine tolle Übung, die ihr ausmacht. Der Zaubergeheimcode. (ich erkläre es dir weiter unten ausführlich)

Biete Ihnen Spiele an, in denen sie sich besser kennenlernen können. Mehr Gruppenarbeiten. Zum Beispiel kreative Gruppenarbeiten, in denen sie gemeinsam malen. (ein Thema, dass die Kinder auf einer Tapete zb gemeinsam malen: zb wie sieht mein liebster Ort, mein Zauberort aus – hier erklärst du, dass es wichtig ist einen Platz zu haben, an dem man ganz man selbst sein kann. Was bedeutet das? Was ist mir wichtig? Was brauchst du, um dich sicher zu fühlen? Führe sie in der Meditation an diesen sicheren Ort. Zauberauge nach innen und mal schauen wie der Ort aussieht. Alles unter dem Deckmantel der Gruppenarbeit.

Oder lass sie den Dankbarkeitsbaum für die ganze Schule basteln. (Wofür seid ihr dankbar? Malt, schreibt Kärtchen – gemeinsam – wie fühlt sich Dankbarkeit an?)

Spiele das Spiel, in dem sie feststellen, dass sie verbunden sind. Namasté Einführung. Und die Erkenntnis, dass wir alle verbunden sind – auch wenn wir es gar nicht glauben können.

Spiele Pantomimespiele zur Erforschung der Gefühle. Wie fühlt sich Unruhe an. Vielleicht möchten die unruhigen Kinder das mal darstellen und du nutzt dann die Möglichkeit mit der Unruhe zu spielen. Wie sieht sie aus? Welche Geräusche machen Unruhe? Ist es ein angenehmer Zustand? Wenn nicht, was könnte man versuchen ihn zu verabschieden. Also – angucken – würdigen – verabschieden. (und was ist in deinem Leben unruhig? Weißt du wie du damit gehst? Bringe das ein. Mache dich zum Teil der Gruppe.)

Du wirst zu all den Themen, die du vermitteln möchtest auch Gruppen Spiele finden. Nutze das. Welches sind denn die dir wichtigen Themen? Finde das heraus im ersten Schritt heraus.

Dann kannst du den Kindern genau das mitgeben, was dir am Herzen liegt.

Was genau strengt dich an? Die Unruhe? Das du nicht das machen kannst, was du dir vorgenommen hast? Was hast du mit dieser Situation zu tun? Was zeigt sie dir über dich? Neue Perspektiven entwickelt man am besten, indem man den Standort wechselt.

Kinder lieben es selbstbestimmt zu sein. So häufig bekommen sie vorgeschrieben, was sie wann zu tun haben. Manchmal ist es eine tolle „Geheimwaffe“ ihnen Verantwortung zu übertragen. Zb so:

Erklärung: Zaubergeheimcode! In Verbindung mit dem Zauberatem

Was machen wir, wenn die Situation eskaliert?

Dafür – erklären wir den Kindern – benutzen wir unseren Zaubergeheimcode! (als TIPP für die Kinder: Den können wir auch mit unseren Eltern ausmachen. Und mit jedem.)

Es funktioniert, indem wir ein Wort ausmachen, dass die Gruppe aus dem Zustand der Unruhe herausholt.

Macht ein Wort aus. Eine Bewegung. Ein Lied. Ein OM. Eine Geste. Entweder nur ein Kind, oder jedes Kind darf es nutzen. Wie es für dich besser passt. Besprecht auch das.

Das wird dann angewandt, wenn es laut, unruhig, etc ist.

Wenn die Aufmerksamkeit wieder da ist, wird 3x geatmet. Vielleicht geht die Anleitung des Atems abwechselnd. Du suchst ein Kind aus, oder die Kinder melden sich freiwillig. Auch hier ist wichtig, so, wie es sich für dich richtig anfühlt. JEDER kann die Ruhe einladen. Auch das ist ein wichtiges teaching.

Schon das Wort – der Zaubergeheimcode – könnte zb ein Spruch oder ein Lied dazu sein.

„Ich atme 3x ein und aus – und meine Welt sieht schon wieder ganz anders aus.“

Alle sagen es – alle atmen – und weiter geht’s im Programm.

(3x Zauberatem, bringt mich herunter..)

Wichtig ist: Bedanke dich, wenn die Situation wieder ruhiger ist.

DANKE ist hier sehr wichtig!! Denn dadurch versteht das Kind, dass es dir hier geholfen hat und versteht den Prozess.

Zum Schluß noch ein paar Gedanken zu der Situation an sich:

Statt Opfer seiner eigenen Unsicherheit zu werden, kann man lernen, mit ihr als einem wichtigen Signal dafür umzugehen, dass man innehalten und untersuchen muss, was dieses Signal diesmal zu bedeuten hat. Das beste Beispiel ist die ganz sachliche Unsicherheit, wenn eine Frage gestellt wird, auf die man keine Antwort weiß. Auch hier kann man Opfer seiner selbst werden und »sich blöd vorkommen«.

Aber man kann auch sagen: »Ich weiß, dass ich es nicht weiß und deshalb will ich herausfinden, wie die richtige Antwort lautet «oder mit anderen Worten: »Ich bin mir bei der Antwort unsicher, aber sicher, wie ich mit meiner Unsicherheit umgehen werde.« Diese Art, mit der eigenen Unsicherheit umzugehen, mit der fachlichen wie der persönlichen, wirkt sich auf die Erwachsenen-Kind-Beziehung ganz anders aus, weil die Kinder einen Erwachsenen erleben, dem es in Abständen nicht nur genauso geht wie ihnen, sondern der auch weiß, wie er damit umgehen soll.

Diese Art ist authentisch und steht im Einklang mit der inneren Stimme, die sagt: »Ich fühle mich unsicher und ich wünschte, das würde aufhören.«

Nicht die Unsicherheit an sich macht uns passiv oder etwas ohnmächtig. Die Passivität ist die erlernte Methode, mit Unsicherheit umzugehen. Wenn es dir gelingt, sie zu akzeptieren und damit umzugehen, statt dich selbst zu kritisieren, schickst du genau diese Botschaft in die Runde: es ist in Ordnung, seiner selbst oder in einer Sache nicht sicher zu sein. Gleichzeitig erlaubst du den Kindern auch unsicher sein zu dürfen. Und gemeinsam erlernt ihr den Umgang damit. Die Kinder dürfen sich dir gegenüber verhalten wie einem Menschen, mit dem sie sich identifizieren können. Das steigert die persönliche Qualität eurer Beziehung und das Selbstwertgefühl der Kinder.

DAS hast du dann den Kindern auch noch beigebracht.

Und ganz wichtig ist es auch, die Fortschritte zu erkennen, die nicht dem entsprechen, was man sich vorgenommen hat. Die sind nämlich mindestens genauso wichtig! Und wenn wir annehmen, was ist, dann erst kann es sich auch verändern.

Ich danke dir von Herzen für deine wundervolle Arbeit. Du hast anscheinend genau eine Truppe bekommen, die es ganz besonders braucht!! Wie schön, dass das Leben dir diese wunderbaren Seelen anvertraut, um sie zu erinnern.

LIEBE,

Tina ❤️